Lerngeschichten – Karim und Anna

Lieber Karim! In letzter Zeit habe ich oft gesehen, dass du ganz interessiert andere Kinder beim Experimentieren beobachtest. Jeden Tag bist du ein bisschen näher an die Kinder herangegangen und heute warst du ganz mutig und hast gefragt: „Iti au Water?“. Anna holte dir gleich eine Schutzbrille und hat gesagt: „Die musst du aufsetzen!“

Zuerst hast du mit einem kleinen Becher Wasser in einen größeren geschüttet. Als der voll war, hast du beobachtet, wie das Wasser über den Rand des Bechers in den Experimentiertisch läuft. Dann hast du verschiedene Dinge in den Becher geworfen: Glasmurmel, Stein, Korken, Magnet, einen Schraubverschluss und einen kleinen Plastikball. Dabei hast du festgestellt, dass manche Dinge auf den Becherboden sinken und manche auf dem Wasser schwimmen. Das hat dir so viel Spaß gemacht, dass du lachen musstest und vor Freude gehüpft bist. Du hast zu Anna geschaut und immer: „Da, da!“, gerufen. Dann hast du sie gefragt: „Du au? Das?“ und festgestellt: „Weg!“. Du hast ein richtiges „Forschergespräch“ mit Anna geführt.

Ich kann mich noch gut an die ersten Wochen erinnern, als du neu in unsere Gruppe gekommen bist. Ich musste mich lange gedulden, bis du das erste Wort zu mir gesagt hast. Ich habe sehr gestaunt und war stolz auf dich, dass du dich in deiner Sprache mit anderen verständigt hast.

Bei deinem Experiment konntest du den anderen Kindern etwas zeigen und hast sie neugierig gemacht, selber auszuprobieren, welche Dinge schwimmen und welche nicht. Anna tat es dir gleich und holte einen Gegenstand nach dem anderen aus dem Regal und ließ sie in deinen Becher flutschen. Ihr habt beide gelacht, als das Wasser euch nass spritzte. Am Ende sortierte Anna alle schwimmenden Dinge in eine Schüssel und die, die untergegangen waren, in eine andere Schüssel. Sie sagte zu dir: „Die schweren Sachen gehen unter und die leichten können schwimmen!“ Du meintest: „Hmm“, und hast zustimmend genickt.

Karim, es hat mir sehr viel Spaß gemacht, dich beim Experimentieren zu beobachten, und ich bin schon auf deine nächsten „Fachgespräche“ gespannt.

Deine Erzieherin